Frankfurt am Abgrund
Ganz Frankfurt am Main ist in drei Teile untergliedert, von denen einer von den Nichtrauchern bewohnt wird, ein weiterer von den Rauchern, und der dritte von Menschen, die man solche mit Migrationshintergrund nennt.
So wird es vielleicht nicht erst irgendwann aussehen, wenn Susanne Czuba-Konrads dystopische Geschichte „Rauchen verboten!“ Wirklichkeit wird. Im Kino und in den Fernsehnachrichten kann man der Propaganda nicht entrinnen, die die Tabakraucher zum „Gift der Gesellschaft“ und „zu Mördern in Zivil“ abstempelt und in Orwellscher Newspeak-Manier „Freiheit heißt Rauchfreiheit“ postuliert: Namen von Rauchern erscheinen in der örtlichen Tagespresse, Rauch und Tabakprodukte werden aus Filmen wegretuschiert. Nicht nur in Gaststätten, auch auf der Straße wird das Rauchen verboten, und schließlich ganz kriminalisiert, bei mehrjähriger Mindestfreiheitsstrafe für Verkauf und Erwerb von Tabakwaren. Bußgelder gegen heimliche Raucher sollen die Einnahmeverluste nach weggefallener Tabaksteuer kompensieren.
Krankenkassen verdoppeln die Beiträge von Rauchern, Raucher werden aus Arbeitsverhältnissen entlassen und schließlich wird ihnen die „Raucherpauschale“ von der Stütze abgezogen. Nur langfristiger Tabakverzicht eröffnet eine Chance auf „Resozialisierung“. Illegale Raucherclubs etwa in Sachsenhausener Kellern, die letzte Alternative zur steriler gewordenen offiziellen Gastronomie, werden in Razzien ausgehoben. Die Überwachung des öffentlichen Raumes durch Video-Autos dient auch dem Zweck, Raucher ausfindig zu machen. Nur neben Mülltonnen, in Verstecken hinter dicken Stahltüren und in der eigenen Wohnung – bei zugezogenen Vorhängen – wird eine Kippe angezündet. Aber auch aus ihren Mietwohnungen werden Raucher gekündigt, und sie haben kaum Chancen, in einem „Nichtraucherviertel“ unterzukommen, wo die sogenannten besseren Kreise dem Tabakkonsum längst abgeschworen haben. Nach dem Konsum teuerster Schwarzmarktzigaretten braucht es Mundwasser, viel Parfüm, diverse Kaugummis und Erfrischungstücher, um den aufgehetzten Mitmenschen nicht gleich durch bösen Tabakgeruch aufzufallen.
Zeitgleich entfremden sich Frankfurter ohne Migrationshintergrund und solche islamischer Herkunft immer mehr voneinander, Rechtsextremismus einerseits, sowie der Rückzug in den muslimischen Fundamentalismus nehmen als Abgrenzungsverhalten zu. Wasserpfeifenkonsum in Migrantenghettos bleibt meist folgenlos, da sich die Polizei selten in solche Gegenden vorwagt.
Und inmitten all dessen versuchen Czuba-Konrads Protagonisten, ihr Leben zu meistern. Leon ist durchs Rauchen arbeitslos geworden und mit der Polizei in Konflikt geraten, nachdem er seinen „Raucherregistrationsbogen“ nicht ausgefüllt hat. Silvia, seine nichtrauchende Lebensgefährtin, lässt ihr vergleichsweise tolerantes Gebaren Gefahr laufen, den Straftatbestand der Deckung illegalen Rauchens zu erfüllen. Silvias Freundin Yasemin, die nach dem Tod ihres Mannes zwar strenggläubig geworden ist, aber gelegentlich zur Zigarette greift. Und ihr neuer Gatte Yusuf, der seine Frau höchstens zum Besuch eines regierungsamtlich geförderten Antirauchkurses alleine aus dem Haus gehen lassen will.
Nach der Einführung der Charaktere gewinnt die Geschichte im weiteren Laufe beachtlich an Tempo: Zigarettenschmuggel, Entführungen, Vergiftungen, ein Schnellgericht, ein Todesfall und weitere turbulente Wendungen öffnen den Beteiligten die Augen über „die fragwürdige Vision einer totalitären Nichtrauchergesellschaft“ (Verlagstext).
Susanne Czuba-Konrad, promovierte Germanistin, arbeitet als Dozentin und engagiert sich in der Frankfurter SPD. Neben Sachliteratur hat sie bisher vor allem kürzere Erzählungen verfasst. Auch „Rauchen verboten!“ zeichnet sich durch eine hohe Dichte von Anspruch und Inhalt bei überschaubarem Umfang aus.
Manche der beschriebenen Entwicklungen schließen eng an die jetzige Realität und die aktuell erhobenen Forderungen der Anti-Tabak-Lobby an, andere projizieren eine etwas fernere Zukunft, die aber heraufzuziehen droht, wenn der Durchmarsch der Tabakkontrolle wie bisher voranschreitet. Was diese „Denormalisierung“ nennt, nämlich die schleichende Abwertung des Tabakkonsums in weiten Teilen der Bevölkerung, hat nach Jahrzehnten schleichender Entwicklung in den letzten Jahren weiter Fahrt aufgenommen. So wirken Czuba-Konrads Schilderungen der Antiraucherpropaganda kaum übertrieben angesichts dessen, was an offiziellen Kampagnen und erst recht auf einschlägigen Internetseiten stattfindet.
Während im Buch die „Gesellschaft für Gesundheit der Nation“ eine wichtige Lobbygruppe bildet, gelingt es in der Praxis Organisationen und Initiativen des medizinisch-industriellen Komplexes zunehmend, ihr Welt- und Menschenbild der Gesellschaft aufzuoktroyieren (?). In der Geschichte taucht ein zur Rauchentwöhnung genutztes Medikament mit lebensgefährlichen Nebenwirkungen auf, in der ‚wahren‘ Welt wurde vor einigen Jahren Champix/Chantix zu diesem Zweck auf den Markt gebracht. Das Präparat scheint zu Selbsttötungen zu führen und seine Einnahme wurde US-amerikanischen Piloten von der Flugaufsicht untersagt. Für die Tabakkontrolle jedoch kein moralisches Problem, da sich in ihren Augen Raucher sowieso dem Tode geweiht haben.
In der Geschichte ereignen sich noch weitere Verbrechen „im Dienste der Gesundheit“, etwa die unfreiwillige Einweisung in Entwöhnungslager. Noch ist dies Fiktion, aber vielleicht wird es in wenigen Jahrzehnten Realität. Auch am totalen Verkaufsverbot von Tabakwaren wird hinter den Kulissen bereits gebastelt. Und während bei Czuba-Konrad einer Protagonistin empfohlen wird, ihren rauchenden Lebensgefährten schnellstens gegen einen Nichtraucher einzutauschen, hat die EU vor Jahren schon das an Jugendliche gerichtete Online-Computerspiel „Don’t kiss a smoker“ erstellen lassen – von einer deutschen Agentur.
Die Autorin spricht außerdem die Unterdrückung missliebiger wissenschaftlicher Ansätze beim Zusammenhang von Rauchen und Gesundheit an. Ein Aspekt in diesem Zusammenhang gerät dabei schief: Sie erwähnt ein „Nikotinkompensat“ als Option zur Verringerung von Gesundheitsgefahren. Doch selbst die meisten Antiraucher schreiben dem Nikotin keine problematische Rolle zu, stattdessen geht es um andere Erzeugnisse des Verbrennungsprozesses.
Ferner gleitet die Autorin tendenziell in eine Sichtweise auf Raucher ab, die diese als bemitleidenswerte Süchtige stigmatisiert. Genuss und selbstbestimmte Entscheidung für den eigenen Lebensstil treten dabei zurück. Ihr sozialdemokratischer Hintergrund vermag vielleicht mehrere Bemerkungen zur wirtschaftlichen Situation von Tabakbauern in Entwicklungsländern zu erklären. Deren Existenz bedrohen jedoch nicht ausbeuterische Konzerne, sondern der Versuch der Tabakkontrolle, den Tabakanbau zu minimieren.
Czuba-Konrads Buch verknüpft Gesellschaftskritik, bezogen auf Raucherdiskriminierung, aber auch auf die Segregation von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, mit den berührenden Einzelschicksalen einzelner betroffener Charaktere und einem spannenden Handlungsverlauf. Nicht zuletzt in ihrer Partei sind dem Werk viele Leser zu wünschen, und gerade angesichts des Umstandes, dass der Verlag auch Antiraucherliteratur für Kinder und Jugendliche vertreibt, sei „Rauchen Verboten!“ als Lektüre an Schulen empfohlen.
Dieser Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung von “NovoArgumente” übernommen. Herzlichen Dank!














Jetzt habe ich das Buch fertig :-)
Es ist recht deprimierend, weil ein Teil des Buches schon Realität ist. Dazu ist die Gefahr gar nicht so gering, dass unsere Welt in ein paar Jahren wirklich so diktatorisch-totalitär und scheußlich ungeniessbar wird, .
Die Autorin bietet auch kein Happy-End und keine Hoffnung, sie lässt ihre Protagonisten am Ende des Buches dort, wo sie gerade sind….
Eine Frage hat mich die ganze Zeit verfolgt: Warum wehren sich diese Leute nicht?
Es gab nur ein einziger, dieser Dumount, der etwas dagegen tat. Allerdings mit Mafia-ähnlichen Methoden und auch mit Gewalt.
Irgendwann war es mir auch klar, warum: In einer Diktatur kann man sich nicht mehr friedlich, legal und mit demokratischen Mitteln wehren. Die Chance ist schon vorbei.
Ein paar kleine Lichtblicke in diesem Buch will ich doch nicht verschweigen:
- Eine deutsche Nichtraucherin liebt einen deutschen Raucher und hat eine moslemische Freundin.
Trotz aller Widrigkeiten, Anfeindungen und Gefahren, die Liebe und die Freundschaft sind stärker und bleiben erhalten.
- Die Raucher solidarisieren sich, aber leider nicht zum Kämpfen, sondern nur zum Überleben.
- Ein relativ konservativer Moslem gibt der deutschen Freundin seiner Frau und ihrem geliebten Leon “Asyl” und Sicherheit in dem Moslems-Viertel, weil sie von “AntiRauch” und er von der Polizei verfolgt wird. Irgendwie schön, trotz der ganzen Misere…
Insgesamt kann man aber nur dazu sagen: “Wehret den Anfängen!”, so lange es noch möglich ist.!
Was machen die Gesundheitsfanatiker wohl mit der nachfolgenden Meldung?
Überraschende Studienergebnisse: Rauchen hat auch gesundheitlichen Nutzen
“5 Health Benefits of Smoking”
http://www.livescience.com/15115-5-health-benefits-smoking-disease.html
Glaubt man nun nur den negativen Studien, oder dann auch den Positiven? Vertrackt.
Die Gesundheitsfanatiker verweisen auf folgenden Link: :oD
[Wir verlinken nicht auf die Propagandaseiten der Antiraucherlobby. Die Red.]
Gott sei Dank ist die Freiheit des Glaubens ein elementares Grundrecht! ;o)
Irrtum, selbst viele Gesundheitsfanatiker versagen es sich inzwischen, den WHO-Krampf vom Kolaborationzentrum für Tabakkontrolle beim DKFZ zu zitieren. Das DKFZ ist inzwischen nur noch bei uninformierten Politikern zitierfähig.
Mit deinem Schlußsatz betr. “Freiheit des Glaubens” hast Du die Lage aber recht gut beschrieben: es handelt sich bei Rauchverboten um Glaubensfragen und nicht um Wissenschaft.
Welche Gesundheitsfantiker versagen es denn, das DKFZ zu zitieren? Und welche Politiker sind denn uninformiert? Ich persönlich glaube dem DKFZ, mal abgesehen davon, dass Tabakqualm ganz einfach unangenehm ist. Deswegen möchte ich halt auch die Möglichkeit haben, in eine Nichtrauchkneipe auszugehen….
Interessanter Link, Nancy, danke!
Dass die Raucher seltener an Parkinson und Übergewicht leiden wusste ich schon, der Rest war mir aber neu :-)
Also die Raucher brauchen seltener eine Knie-Prothese und bekommen seltener Osteoporose, dafür reagieren sie besser auf die Behandlung nach einem Herzinfarkt, sterben seltener danach und verarbeiten besser das Medikament Clopidogrel.
Ist doch auch was!
Eine interessante Geschichte hat mir ein älterer Nachbar erzählt (NR): Er hat jeden Frühling Heuschnupfen, ziemlich heftig. Weil er noch heftiger auf Cortison reagiert, macht er was anderes: so lange er das Problem hat, raucht er 3-4 Zigaretten pro Tag. So geht es ihm deutlich besser und braucht kein Cortison mehr. Danach wird er wieder zum Nichtraucher, bis der nächste Frühling kommt.
Ich bin neugierig geworden und habe lange im Internet nach etwas ähnliches gesucht, leider ist alles nur mit Anti-Raucher-Propaganda verseucht, wenn es um Allergien geht. So nach dem Motto: “Wenn Sie eine Allergie haben, hören Sie sofort mit dem Rauchen auf, auch wenn Sie NR sind!” Na ja…
@barniko
Die Freiheit, Informationen zu überprüfen, bevor man sie blind glaubt, ist zum Glück auch ein elementares Grundrecht :-)
Vor allem, wenn “DKFZ” eigentlich nicht wirklich DKFZ ist, sondern ein “WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle”, das an DKFZ “klebt “.
Und die Zielsetzung dieses “Kollaborationszentrum ” ist nicht etwa, die Qualität des Tabaks zu kontrollieren, sondern die Vernichtung dieses Genussmittels und eine aggressive Propaganda gegen Rauchen und Raucher.
Von dort können also schon wegen der Zielsetzung keine objektive Informationen kommen und mit ernsthafter Wissenschaft hat das nichts zu tun.
An Gott kann man ruhig glauben, wenn aber die Wissenschaft zu Gesundheitsreligion wird, ist das gefährlich und falsch. Die Wissenschaft soll Beweise liefern, keine Glaubensrichtungen.
Naja, wenn man ein bisschen googelt, findet man tausende Studien, die behaupten, dass das Rauchen gewisse “negative Auswirkungen” auf die Gesund haben. Und die stammen nicht alle von DKFZ… Ob die jetzt stimmen oder nicht, lass ich wohl dahingestellt…. ich kann das nicht nachprüfen, ich bin kein Arzt und kenn ich nicht die Umstände, unter denen diese Studien erstellt wurden. Das gleiche gilt auch für den Link von Nancy. Wer kann schon sagen, dass die dort angegebenen Studien wahr sind? Ich würde auch nie zu einem Raucher sagen, er solle damit aufhören. Das ist jeden seine Sache. Ich habe auch nichts gegen Raucherkneipen… Ich möchte nur als Nichtraucher die Möglichkeit haben in eine Nichtraucherkneipe zu gehen. Und das war halt vor 2008 sehr schwer möglich. Deswegen kann es für mich auch kein Weg mehr dahin zurück geben. Aber genauso bereitet mir die derzeige bayerische Regelung ziemliche Bauchschmerzen… Warum kann es keinen vernünftigen Kompromiss zwischen Rauchern und Nichtrauchern geben?
Hallo wie ich schon öfters geschrieben habe soll eine faire Wahlmöglichkeit geben.Den Rauchern ihre Räume,aber auch den Nichtrauchern.Vor 2008 gab es diese Möglichkeit nicht.Überall heist es doch man soll in die Zukunft denken.
Hallo Roodoe die Zeit wird nicht mehr kommen das in jeder Gaststätte geraucht werden kann. Weil da gab es Kneipen wo man vor lauter Rauch etwas anders gar nicht mehr sehen konnte.
Weil es wirklich halt Menschen gibt die Zigarettenrauch nicht vertragen.Zb. Asthmatiker oder .Jede Gaststätte hat dann
Entlüfftungsanlagen oder die Regelung mit Raucher und Nichtraucherräumen.Auch wenn das Bayerische Rauchverbot abzulehnen ist denn die frühere Regelung war in Ordnung. Aber in die Zeit vor 2008 wird niemand mehr zurückkehren.Natürlich sollten reine Raucherclubs oder Shisa-Bars wo von Rauchern leben wieder eröffnet werden.Und bitte nicht alle Schuld immer bei den Nichtrauchern suchen ,und NIchtraucher mit Antis immer verwechseln.
Freundlichen Gruss
Peter,
Nichtraucher und ausgemachte Antiraucher verwechsle ich nun nicht mehr. Dafür haben die Antiraucher schon gesorgt. Ich habe mich nun ein geschlagenes Jahr mit dieser Problematik beschäftigt. Andere taten das schon viel länger. Weißt du, ich hätte meine Zeit auch sinnbringender vertun können, als mich mit so einer wild gewordenen Horde auseinanderzusetzen. Vermutlich gehts hier allen anderen Rauchern auch so. Aber wenn hier angefangen wird, uns Raucher aus lauter Langeweile zu schikanieren, wehren wir uns eben.
Und um es noch mal zu prophezeien – Früher oder später (ich hoffe früher) wird es so sein, dass in den Gaststätten wieder ein Leben einkehrt, wie es vor 2008 war. Auch und besonders in Bayern. Denn es liegt in der Natur der Sache, dass man nach dem Sinn eines Verbots fragt. Gibt es keinen, hat das Verbot auch keinen Bestand.
Warum sollte denn in den Gaststätten wieder ein Leben einkehren, wie es vor 2008 war? Wieso sollte ein Nichtraucher eine Situation akzeptieren, die für ihn schlechter ist? Das Zusammenleben in einer Gesellschaft kann nur dann funktionieren, wenn alle Gruppierungen zu Kompomissen bereit sind.
@ barniko,
nochmal: Solche Sachen regeln sich in der Regel von ganz alleine. In einer Ortschaft, in der es nur Nichtraucher gibt, wird ein Wirt nicht auf die Idee kommen, darauf bestehen, dass alle in seinem Lokal rauchen müssen. Andersrum genauso. Es besteht hier also keinerlei Regulierungsbedarf seitens der Politik. Der Wirt hat in SEINEM Haus das Recht zu haben, selber entscheiden zu können, was er zuläßt oder verbietet. Andernfalls wäre es nur konsequent, alle Gasthäuser zu verstaatlichen und die Wirte zu verbeamten. In diesem Falle hätte der Staat das Geschäftsrisiko zu tragen und könnte dann natürlich auch vorschreiben, was in den Gasthäusern erlaubt und verboten ist. Wir hätten dann politisch korrekt durchregulierte Gasthäuser. Wollen wir das?
Das Problem ist und war die Trägheit der Masse! Vor 2008 haben es die Nichtraucher, die es hingenommen haben, in verqualmten Kneipen ihr Bier zu trinken und es jetzt sind es die Raucher, die es hinnehmen, vor die Tür zu gehen um eine zu rauchen. Es tut ja niemand was gegen die aktuelle Regelung, deswegen wird sie wohl auch für immer Bestand haben…
Wieso tut niemand was?
Bayern kennt nun die “Geschlossene Gesellschaft” und die Privatpartie, als erste Sofortmaßnahmen. Bei beiden Formen des gesellschaftlichen Treffens, wird drinne geraucht und der Staat, in seinem Regulierungswahn, bleibt außen vor. Mehr noch es entgehen ihm Steuern, die er vorher hatte. Technische Lösungen (Luftfilter) und ein erneuter Volkentscheid werden hier überlegt und diskutiert. Was darüber hinaus gerade organisatorisch läuft, kann ich nicht sagen, da ich nicht involviert bin. Ich weiß aber von den Rauchernews, dass sich verschiedene Gruppierungen zusammen tun, um künftig geschlossen aufzutreten. Das Thema ist also keinesfalls am Sterben, sondern immer noch brandaktuell.
Du möchtest sachlich diskutieren und wunderst dich über die Bewertungen. Die Diskussion hier läuft schon länger. Das schöne an dieser Seite ist, dass sie ein Archiv besitzt. Da kannst du dich ruhig belesen. Ich würde dir in diesem Zusammenhang auch mal die Trollwiese empfehlen. Nach dem Studium dieser Seiten können wir gerne die Diskussion wieder aufnehmen. Aber belies dich erst mal, denn ich habe keine Lust alles wiederzukäuen, was man ganz einfach nachlesen kann.
An dieser “Zukunft” wird inzwischen fleißig gearbeitet und zwar schneller als wir alle befürchten. Gerade wird die Meldung verbreitet, dass Apple Raucher-Rechner nicht mehr reparieren will. Ob das eine gute Eigenwerbung ist, mag dahingestellt sein.
http://www.rp-online.de/digitale/computer/Apple-repariert-Raucher-Rechner-nicht_aid_1014954.html
Ach ich denke, es gibt genügend Raucher, die sich mit Rechnerreparaturen auskennen und in Anbetracht steigender Tabaksteuern gut mit einem Zweiteinkommen leben können. ;-)
Naja, ob jetzt wirklich ein Staat ala George Orwells 1984 droht, nur weil ein paar Raucher vor die Tür die müssen? :oD
Wahrscheinlich nicht, weil es noch ein paar Leute gibt, die nicht – wie du scheinbar – unter einer Käseglocke leben, sondern die die Eingangskanäle offen und das Hirn am Laufen halten.
Diese Leute werden dann auch irgendwann wieder in Gaststätten rauchen und sich an diese unselige Zeit und diese unseligen, alles verbieten wollenden Zeitgenossen erinnern.
Vielleicht…. aber Fakt ist halt auch, dass es für einen Nichtraucher signifikant angenehmer in einer Gastätte/Kneipe ist, in der nicht geraucht wird…
“…dass es für einen Nichtraucher signifikant angenehmer …”
Ohne jetzt spitzfindig sein zu wollen – ich komme nicht drum rum.
Wegen EINEM Nichtraucher ist es wohl stark übertrieben, so ein Gesetz zu erlassen, also gehe ich davon aus, dass du ALLE meinst. Das wiederum ist eine Anmaßung, zu behaupten, du wüßtest, was alle Nichtraucher als angenehm empfinden. Gleichzeitig unterstellst du, dass alle Nichtraucher gleich denken und fühlen.
Fakt ist, um mal dabei zu bleiben, dass kein Mensch gezwungen wird, irgendwo hinzugehen, es sei denn dieser hätte sich an seinen Mitmenschen versündigt und wird daraufhin genötigt einzusitzen.
Fakt ist, dass es in keinster Weise um das Wohlbefinden der Nichtraucher geht, welche sowieso nie von sich aus in eine Raucherkneipe gehen würden, sondern um die Gängelung der Raucher, um den (wie es Berlin-Mindplayer neulich so treffend formulierte) großen Schiss vor den Bug.
Dass da ganz nebenher noch einige versuchten sich zu profilieren und /oder abzusahnen, muß ich wohl nicht erwähnen.
Das sind die Fakten, nichts anderes.
Klar, ich gebe dir vollkommen Recht: Niemand muss eine Lokalität aufsuchen, in der einem die Umstände nicht passen! Das gilt Nichtraucher, aber genauso auch für Raucher. Grundsätzlich bin ich ja auch gegen “Alles-oder-nichts-Lösungen” wie sie z.B. in Bayern gelten, aber letztendlich zeigt eine aktuelle Studie des Deutschen Krebsforschungszentrum (http://bit.ly/nGdGit), dass gerade in Bundesländern in denen Sonderregelungen für Raucher gibt, von der “Freiheit und Fairness”, die die Raucher so gerne einfordern, von ihrer Seite nichts mehr zu spüren ist! Siehe die Situation in Schwerin in den in 93% der Kneipen und Bars geraucht wird…. So was führt dann zu den 100%-Gesetzen wie in Bayern.
Ich kann nur von den Nichtrauchern aussgehen, die ich in meinem Bekanntenkreis habe. Und von denen findet leider nur ein ganz kleiner Teil den Besuch einer Raucherkneipe toll bzw. denen das egal ist! ok, es ist eine Anmaßung von mir zu denken, dass alle Nichtraucher in der BRD so denken… aber es ist die selbe Anmaßung, dass alle Nichtraucher in der BRD (bis auch denen die ich kenne) anders denken! Da wir beide wohl nicht alle Nichtraucher in der BRD persönlich kennen, können wir wohl nur über ihr Denken spekulieren!
Wenn Sie der Propaganda der Antiraucherlobby glauben – Ihr Ding. Denkende Menschen erkennen aber den Sinn hinter derartigen Propagandaschriften – vor allem wenn alle Autoren dieser “Studie” nichts weiter als Antiraucherlobbyisten sind. Diese “Studie” ist übrigens mehr als umstritten, da sie nicht objektiv durchgeführt wurde. Aber das ist ja auch nicht der Sinn dieser Propagandaschrift. Man will einfach nur den Weg eben für die “tabakfreie Welt”, die die Antiraucherlobbyisten wollen.
@barniko:
“Da wir beide wohl nicht alle Nichtraucher in der BRD persönlich kennen, können wir wohl nur über ihr Denken spekulieren!”
Auch wieder so ein typisches Antiraucherbevormundungsdenken. Ich muß über garnichts spekulieren. Es handelt sich hierbei um erwachsene Leute, die es fast durchweg gelernt haben, eigene Entscheidungen zu treffen. Ob sich Lieschen Müller (Nichtraucherin) in einer Raucherkneipe wohlfühlt oder nicht, ob Max Mustermann (Raucher) lieber raus geht oder nicht – darüber spekuliere ich nicht, das ist jedem seine Sache und geht mich und jeden anderen, mit Verlaub gesagt, einen Scheißdreck an.
Werden Gesetze erlassen, wie dieses “Nichtraucherschutzgesetz”, welches auf der Annahme basiert, dass andere durch das Rauchen geschädigt und sogar getötet würden, die so tief in die Privatsphäre eines jeden Rauchers eingreifen, dann muß man Orwells 1984 nicht mehr in der Zukunft vermuten, dann leben wir schon mitten drin.
Ist die Annahme “Passivrauchen schädigt die Gesundheit!” aber wahr, dann war die Zeit vor dem Nichtraucherschutzgesetz ein Eingriff in die Privatsphäre des Nichtrauchers, da er entweder die Gesundheitsgefährdung durch das Passivrauchen in Kauf nehmen musste, wenn er in eine Kneipe wollte. Und nach dem Nichtraucherschutzgesetz wird in die Privatsphäre des Rauchers eingegriffen, da er jetzt vor die Türe muss um eine Zigarette zu rauchen, wenn er in eine Kneipe will. Bei Verboten gibt es halt nicht immer nur Gewinner, sondern auch Verlierer… deswegen wär mir persönlich eine 50:50-Lösung am liebsten. Eine Hälfte der Kneipen/Gaststätten für Nichtraucher und die andere Hälfte für Raucher…
@ barniko: Würde die Passivrauchlüge stimmen, wäre ein Nichtraucher doch genausowenig zu einem Kneipenbesuch gezwungen (gewesen) wie ein Nichtschwimmer zur Nutzung eines Schwimmerbeckens. Und das kann wirklich gefährlich werden…
Der Vergleich mit den Schwimmbecken gefällt mir! :o) Um mal bei diesem Vergleich zu bleiben: vor 2008 hatten 99,9% aller Schwimmbäder ausschliesslich Schwimmerbecken. Für die Nichtschwimmer galt also überspitzt formuliert: “Zuhause bleiben oder ertrinken”! Nachvollziehbar, dass sich da mancher Nichtschwimmer bevormundet gefühlt hatte, oder nicht? Und jetzt ist es genau andersrum, 99,9% aller Schwimmbäder haben nur noch Nichtschwimmerbecken. Ich kann verstehen, dass sich da jetzt die Schwimmer ausgegrenzt fühlen… aber es ist auch klar, dass sich wohl kein Nichtschwimmer die Verhältnisse vor 2008 zurückwünscht! Was dieses Land meiner Meinung nach braucht, ist eine faire Wahlmöglichkeit für Nichtschwimmer wie für Schwimmer, welche Art von Schwimmbecken sie aufsuchen möchten. Anders wird wohl kein Friede einkehren…
@barniko:
Kneipenbesuch: Wenn man sich mal auf die einschlägigen Statistiken einlassen möchte, kann man davon ausgehen, dass es ca. 70% Nichraucher gibt.
Wieso, um alles in der Welt, gab es denn bis zu diesem Nichtraucherschutzgesetz keine natürlich gewachsenen Nichtrauchergaststätten, in denen der Bär tobt?
Wieso hat kaum ein Wirt gesagt – was bis dahin durchaus legitim war – “In meiner Gaststätte ist das Rauchen nicht erlaubt”?
Kann es sein, dass der Nichtraucher garnicht so gerne in Kneipen geht?
Kann es sein, dass das immer noch so ist, selbst jetzt, wo er es könnte, ohne durch den gefährlichen Passivrauch ein sponatanes Asthma entwickeln zu müssen oder konsequenterweise gleich an Ort und Stelle dahinzuscheiden?
Kann es sein, dass der ganze Nichtraucherschutz – wie ich bereits weiter oben schrieb – nur vorgeschoben ist und es in Wirklichkeit um die Interessenwahrung einer kleinen Clique und um das Verbotsausleben einer anderen kleinen Clique geht?
Schwimmbad:
“vor 2008 hatten 99,9% aller Schwimmbäder ausschliesslich Schwimmerbecken”
Ich weiß ja nicht, wo du deine “Weisheiten” her holst. Hättest du geschrieben: “Bis 1998 gab es im Westen in 99,9% aller Schwimmbäder keine Nichtschwimmerbecken”, ich (Thüringer) hätte es als Info – unter Vorbehalt – eventuell geschluckt. Aber deine “Aussage”, zeugt nicht von Wissen, sondern läßt hingegen tief in die Güte deiner Plakatierungen blicken. Im Osten nämlich – um dich mal oberlehrerhaft zu korrigieren – der seit 1990 zur BRD zählt (wie jeder weiß), gab und gibt es fast ausschließlich Schwimmbäder mit Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken. Da hat nämlich die Führung damals großen Wert drauf gelegt, dass auch Kinder, die nicht von Geburt an schwimmen können, ihren Spass im Schwimmbad haben können.
Apropos Kinder – das sind die kleinen Menschen, die noch nicht so lange bei uns sind, aber durch uns ihr Wissen bekommen. Das sollte man sich verinnerlichen und versuchen immer schön bei der Wahrheit zu bleiben. Es könnte sonst passieren, dass da eine Generation heranwächst, die zwischen der Realität und dem vorgelebten Wunschdenken der Alten hin- und herpendelt und diesem Anachronismus ausschließlich nur noch mit wirklich gefährlichen Drogen begegnen kann.
Oder ist diese Generation vielleicht schon da?
@barniko
Hast du gegenüber jemandem den Anspruch auf ein Schwimmbecken, das deinen Wünschen entspricht? Nein. Es wäre auch absurd, wenn ein Nichtschwimmer durchsetzen könnte, wie Schwimmbecken auszusehen haben. Oder ein Volksmusikfan, welche Musik in welcher Lautstärke in einer Disko zu spielen hat. Oder ein Nichtraucher, ob in einer Kneipe geraucht werden darf…
Mal ganz abgesehen davon, dass genügend Nichtraucher offenbar beim Ausgehen nicht unter sich bleiben wollen, sondern schon immer die Gesellschaft von Rauchern gesucht haben.
Dass sich Frau Czuba-Konrad überhaupt noch in der SPD wohlfühlt, kann ich nicht nachvollziehen.
Das Konzept einer sterilen, durchgeregelten und “schönen heilen” Welt ist schon mal mit der Disney-Planstadt Celebration versucht worden und hat merkwürdigerweise Schiffbruch erlitten. Offenbar sind selbst Menschen mit hohem Verbotswohlfühlcharakter nicht bereit, sich selbst diesen Regeln zu unterwerfen.
http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/23121/zu_schoen_um_schoen_zu_sein.html
Ja die Geschichte der Disney-Planstadt Celebration ist wirklich lehrreich…
Alles, was der menschlichen Natur nicht entspricht, wird nach einer gewissen Zeit abgeschafft.
So eine “sterile, gesunde Welt”, wo alle Genüsse verboten sind und die Leute nur für ihre Gesundheit nach dem Plan der WHO leben, das ist noch viel unnatürlicher als Celebration.
Irgendwann werden die Menschen darüber lachen.
Wir müssen nur alles machen, damit wir auch diese Zeit noch geniessen dürfen, also weiter dagegen kämpfen, nicht nachlassen.
Schöne Ausnahmen gibt es nicht nur in der SPD, sondern sogar in der Ärztenwelt
Ich hätte nicht mal geträumt, das Artikel unten in diesem Blatt lesen zu dürfen:
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=98213
Eine Buchrezension in der bekannten hohen Qualität, danke Christoph!
Das Buch habe ich übrigens gerade bestellt :-)
Ob die gute Frau Czuba-Konrad jetzt noch in der SPD bleiben darf? Hoffen wir das Beste….