Stadtrat fordert komplettes Rauchverbot in der Öffentlichkeit
Im kleinen mittelenglischen Städtchen Stony Stratford, gelegen an der Grenze zu Milton Keynes in der Grafschaft Buckinghamshire, wird am 19. Juli 2011 im Stadtrat abgestimmt, ob in diesem Ort ein totales Rauchverbot an öffentlichen Plätzen – egal ob drinnen oder draußen – eingeführt wird.
Wenn der Stadtrat das Verbot absegnet, wird jeder, der in der beschaulichen Kleinstadt zwischen der mittelalterlichen High Street und dem historischen Marktplatz aus dem 18. Jahrhundert beim Rauchen in der Öffentlichkeit erwischt wird, mit einem Bußgeld zwischen 70 und 100 Pfund bestraft. Ein solches Verbot wäre einzigartig in ganz Großbritannien.
Verantwortlich für diesen Gängelungsplan ist der 50-jährige Paul Bartlett, Krankenwagenfahrer und parteiloser Stadtrat von Stony Stratford und Milton Keynes, dem es bereits vor 15 Jahren gelungen ist, im Einkaufszentrum von Milton Keynes ein Rauchverbot zu installieren.
“Schon vor 10 Jahren habe ich über ein Verbot in Stony Stratford nachgedacht”, sagte Bartlett gegenüber der Presse. “Man spaziert die High Street entlang, dreht eine Runde am Marktplatz und bekommt überall Nikotin ins Gesicht. Kinder in ihren Buggys kriegen Rauch in die Augen. Es hinterlässt einen ekligen Geruch, Müll und Bakterien. Viele Leute glauben, es ist ekelhaft, auf die Straße zu spucken”, fügt Bartlett hinzu, “aber wenn man eine Zigarettenkippe wegwirft, macht man eigentlich genau dasselbe: man wirft seinen Speichel auf die Straße.”
Bartlett träumt davon, dass Stony Stratford eine weltweit anerkannte Führungsrolle in Gesundheitsfragen spielen wird – vorbildlicher noch als Tokio oder New York, wo es Rauchverbote gibt, die aber lange nicht so rigide sind, wie Bartletts Plan es versieht.
Ein spitzzüngiger Bericht über das rauchfreie Stony Stratford in der englischen Tageszeitung “The Guardian” sieht Gesundheitsapostel Bartlett mit seiner Vorbildstadt Besucher anlocken, die nur wegen der guten Luft in den Ort kommen.
Große Reden schwingt der Politiker und spricht von einer allgemeinen Änderung der Sitten, die fällig sei. Rauchen sei einfach ein asoziales Verhalten und das müsse man so akzeptieren. Raucher sind keine Minderheit, die man schützen müsse. Schließlich würde auch keiner Verbrecher schützen wollen und die seien ja auch eine Minderheit in der Gesellschaft. Nach seinen Plänen würde nicht nur die Polizei das neue Rauchverbot kontrollieren, sondern auch Hilfspolizisten, Verkehrskontrolleure und sogar Privatleute. Bartlett ist der Ansicht, dass seine Pläne gute Chancen im Stadtrat haben.
Der Rest von Stony Stratford ist sich da nicht so sicher. Vier Petitionen gegen das Verbot – mit Hunderten von Unterschriften – kursieren in den Pubs und die Verbotsgegner planen, am Tag der Abstimmung den Sitzungssaal zu besetzen. Raucher und Nichtraucher von Stony Stratford sind sich einig: Ein öffentliches Rauchverbot geht zu weit. “Das sind lauter kleine Hitlers, die so etwas fordern”, sagt ein 50-jähriger Geschäftsmann. Ich rauche nicht, aber ich bin gegen ein solches Verbot. [...] Das ist engstirnige Bürokratie, der Nannystaat, der sich einmal mehr in unsere privaten Freiräume einmischt.”
Stadtrat Bartlett stört sich nicht an solchen Reden. “Ich bekomme auch viel Unterstützung. Die Leute sagen, sie hoffen, ich werde mit meinen Plänen die Welt verändern. Das ist fantastisch!”, formulierte er in einem Zeitungsinterview.
Wie weit der selbsternannte Weltverbesserer wirklich kommen wird, wird die Abstimmung am 19. Juli zeigen.














Das Thema Stony Stratford wurde auch heute wieder aufgegriffen; dieses Mal vom Daily Telegraph.
http://www.telegraph.co.uk/health/healthnews/8649941/The-tiny-town-that-refused-to-give-in-to-a-fresh-air-fascist.html#dsq-content
Die Kommentare sind lesenswert!
Hier nun was in der Zeitung steht
http://www.aboutmyarea.co.uk/Buckinghamshire/Milton-Keynes/MK11/News/Local-News/201746-Stony-Stratford-Town-Council-Rejects-Bartletts-Proposals
Mal sehen, was im September passiert.
Update ueber das Rauchverbot in Stony Stratford.
Der Termin fuer die Absegnung wurde erstmal auf September verschoben. Es wird vermutet, dass Mr. Bartlett nun laengere Gespraeche mit der “Charity” ASH et al fuehrt und warten will, bis dieses Vollpfostengesetz heimlich untergeschoben werden kann.
Ach – ja, Euch wird ja immer erzehlt, dass die Iren das totale Rauchverbot unterstuetzen….
http://www.thedailymash.co.uk/sport/sport-headlines/smoker-wins-at-sport-201107184090/
A spokesman for anti-smoking group ASH emitted a high-pitched whine that seemed to go on forever.
Koestlich!
Danke für Dein Update, B.S. !
Traurig genug, dass diese “Ratsherren” nicht einfach sagen können: So einen Schwachsinn machen wir nicht, und basta.
Nein, man wartet jetzt erst mal, dass Gras über die Sache wächst und man dann in aller Stille den Strick enger ziehen kann. Um nachher herumzutrompeten, dass alles prächtig funktioniere und zur Nachahmung empfohlen sei.
Pfui!
Bleibt nur zu hoffen, dass die Engländer weiterhin ein wachsames Auge auf Stony Stratford legen – und darauf gefasst sind, dass “ASH et al.” derweil klammheimlich in einem anderen Städtchen denselben Ballon startet.
Und hier noch ein video von dem Protest in Stoney Stratford.
http://www.youtube.com/watch?v=dNsai-JjUb4&feature=player_embedded#at=77
Obwohl die BBC (und andere Massenmedien) – wie zu erwarten – nur etwas lauwarm ueber den “mass light up Protest” in Stony Stratford berichtet
http://www.bbc.co.uk/news/uk-england-beds-bucks-herts-14174031
scheint eine immer groesser werdende Anzahl von Leuten zu sagen: “jetzt reichts, das Fass der Geduld ist voll”!!
http://cfrankdavis.wordpress.com/2011/07/17/a-grand-day-out/
http://www.blogger.com/comment.g?blogID=3141759542968821728&postID=1347760882744294377
http://patnurseblog.blogspot.com/2011/07/enough-is-enough.html
http://velvetgloveironfist.blogspot.com/2011/07/stony-standoff-sanity-1-bartlett-0.html
(Danke an Frank Davis)
Es scheint, dass die Antiraucherbrigade durch Abwesenheit und die Einheimischen durch ihre Anwesenheit bei dem Protest glaenzten.
Vielen Dank B.S. für die vielen Zusatzinfos. Ich bin ja gespannt, was bei der Abstimmung heraus kommt.
B.S. hat inzwischen weiter oben berichtet.
Sie haben die Abstimmung verschoben – auf September.
Was für Hasenfüße.
Die “Hasenfüße” reduziere ich mit Freuden auf den Singular, nun da ich weiß, dass Herr Bartlett seinen Antrag auf ein absolutes Rauchverbot auf den Straßen des Städtchens zurückgezogen hatte (und im September wieder vorlegen will). Aber der Stadtrat hat ja durchaus getagt und zwei weitere Anträge von diesem Herrn Bartlett mit 148:2 Stimmen abgeschmettert. Das lässt hoffen.
Soeben in der FB-Gruppe “ASH to ashes” gelesen:
Congratulations to all who made a stand at Stony Stratford today.
And so it begins . . . . .
Und wieder einmal reiht sich ein kleiner Kommunalpolitiker mit einer unsinnigen Forderung in die lange Schlange von karriere- und mediengeilen Politikern ein. Mein erster Beitrag hierzu war ein Obelixzitat. Ich hätte auch schreiben können: „ Die spinnen die Deutschen“ was ebenso richtig gewesen wäre. Bekanntermaßen haben die Engländer mehr Deutsche Gene in sich, als ihnen lieb ist. Insbesondere in Südengland also näher bei den Deutschen haben über 50% deutsche Gene in sich. Das Verhältnis verschiebt sich zu Gunsten der Briten je weiter man nach Norden kommt. Ich hätt ja gern konkrete Zahlen geliefert, aber der Frigorist hat mir vor langer Zeit das googln verboten. :-( Wir sind uns also ähnlicher als wir denken und so mischen wir uns gern in andere Angelegenheiten ein. Wir sind nicht im Stande Rauchverbote vor „der eigenen Türe“ zu verhindern, aber wir maßen es uns an Rauchverbote in anderen Ländern zu kritisieren. Mir persönlich ist es auch egal, ob ein kleiner gängelwollender Politiker ein Rauchverbot installieren will. Ich kann den Rauchern in England ohnehin nicht helfen, weil ich dort kein Wahlrecht habe und grundsätzlich nur noch deutschsprachige Länder besuche. Ich kann versuchen mich in Deutschland dafür einzusetzen, in dem ich Raucherverbotsgesetz erfindende Politiker nach Möglichkeit nicht wähle und meine Ansichten schreibe. Franz Schnabel hilft den Einwohnern von Stony Stratford mehr in dem er eben aus diesen Grund nicht mehr künftig wohl nie hinreisen wird.
Er hat es ja nicht ausgeschlossen. Hätten mehr deutsche und bayerische Raucher das Rückgrat die Wirte und die „regierenden“ unter Druck zu setzen, wären wir u.U. einen Schritt weiter. Aber es ist nicht so leicht getan wie gesagt.
Mal abgesehen davon das diese Forderung eine massive Freiheitseinschränkung bedeutet und einen Überwachungsstaat m it entsprechender Denunziantenschar geradezu Vorschub leistet,ist die Gleichsetzung von Bartlett von Rauchern mit Verbrechern eine bodenlose Unverschämtheit und schlicht Volksverhetzung.Wenn diese Interviewpassage so stimmt müsste man gerichtlich gegen ihn vorgehen.Man bekommt als Raucher inzwischen wirklich eine Ahnung davon wie sich etwa Frauen die als Hexen in Mittelalter verleumdet wurden gefühlt haben müssen(oder etwa Schwarze unter der Rassendsikriminierung in den USA).Es geht hier längst nicht mehr um das Rauchen…ein sinnliches Bedürfnis von manchen Menschen u.ein Stück Kulturgeschichte…sondern um unser aller Freiheit.Den mit solchen Gesetzen sind der Wilkür Tür u.Tor geöffnet…Ich hoffe das uns Rauchernwes weiter auf den laufenden hält…
Hallo Tom,
“Man bekommt als Raucher inzwischen wirklich eine Ahnung davon wie sich etwa Frauen die als Hexen in Mittelalter verleumdet wurden gefühlt haben müssen(oder etwa Schwarze unter der Rassendsikriminierung in den USA).Es geht hier längst nicht mehr um das Rauchen…”
Genau so ist das. Auch dein Resümee ist richtig. Das allerdings versteht das klatschende Fußvolk nicht. Denn das ist noch damit beschäftigt, ebenso wie die Gemeinen bei der Hexenverbrennung, ebenso wie die Mitglieder des Ku-Klux-Klan, sich einer gefühlten Überlegenheit hinzugeben, um sich in selbiger zu baden, glaubend, dass sie besser wären, als die von ihnen Verfolgten, während sich die Brandstifter im Dunkeln die Hände reiben.
Hallo sollte doch verboten werden, wenn denn Politikern immer neue “Ideen” einfallen,die glauben nämlich der Rest der Bevölkerung sei zu dumm um das selber zu regeln. Warum überall immer Verbote fordern.Vielleicht die Leute besser aufklären,zb. Alkoholverbote bringen auch nichts.Denn Leuten wo rauchen ihre Freiräume lassen,und wer nicht raucht auch. Freundlichen Gruss
Kommenden Samstag wird in ebendiesem Stony Stratford ein für englische Verhältnisse interessantes Ereignis stattfinden: Eine Raucherdemo.
Mit Namen, die Kennern der Szene nicht ganz unbekannt sind.
Wer des Englischen mächtig ist, lese z.B. hier:
http://cfrankdavis.wordpress.com/2011/07/07/showdown-in-stony-stratford/
(Frank Davis ist eh immer lesenswert, und er schreibt ein relativ leicht verständliches Englisch. Kann ich jedem empfehlen, in seinem Blog regelmäßig vorbeizuschauen.)
Mit Verlaub:
Mir ist ein beabsichtigtes Rauchverbot in einem englischen “Kaff” schnurzegal;
dies insbesonders deshalb, da ich dorthin fortan wohl nie hinreisen werde.
@franz schnabl: Mit “Verlaub”: MIR ist das eben nicht “schnurzegal”..!!! Ob Du dort hinreisen wirst oder in China ein Radl umfällt, wen interessiert das?? Es geht einzig und allein um diese “verdammten” Verbote!! Dieser “Wahn” hat in Amerika angefangen und macht seinen Lauf um den gesamten Globus!!! DAS kann einem normal denkenden Menschen nicht egal sein!!
Ich sehe dies genauso wie @ Susanne!
Was heute in den USA Fakt ist, schwappt morgen unbedingt nach Europa herüber und somit auch zu uns nach Deutschland.
Ein persönlicher Egoismus (alla @ franz schnabl) ist da völlig unbrauchbar.
Durch ein jetziges Nichthandeln bestimmen wir unser eigenes Leben von morgen.
Und ob uns das dann gefällt oder nicht, da fragt uns kein Mensch mehr.
Genau diese Einstellung hatten ja offensichtlich die Raucher beim Volksentscheid in Bayern. Es war ihnen schnurzegal und so blieben sie der Abstimmung fern. Das Ergebnis ist ja bekannt.
Mit diesem Erfolg für die Nichtraucher ist auch der Startschuß gefallen, das Rauchen in Deutschland, ja ganz Europa mit allen Mitteln soweit zurückzudrängen, daß man baldmöglichst ein Rauchverbot in ganz Europa hat.
Bleibt die Frage, wohin Sie reisen, wenn Sie rauchen wollen?
Wie sagte Obelix treffenderweise? “Die spinnen, die Briten”
ich denke er wird mit seinen verbotsforderungen bis zum nächsten Pyschatrie krankenhaus kommen.denn da gehört er hin.ich gehe auch davon aus das sich die bevölkerung sich das nicht bieten lässt und ihn zum teufel jagt.hier wird wieder mal deutlich was ein hardcore anti ist und will. er will die welt verändern und alle haben sich nach ihm zu richten.vielleicht hat er auch zuviel bayerische rauchverbotspresse gelesen und will in die fussstapfen eines s.frankenberger treten…..auf alle fälle sollte die bevölkerung solchen typen vorher schon den schneid abkaufen,damit er merkt die welt gehört doch nicht ihm allein.ich bin fassungslos dachte es gibt nur einen S.F.echt krass
Nein smoki, es gibt leider nicht nur ein S:F:…
In einer Psychiatrie gibt es auch mehrere Patienten und es gibt auch mehrere Einrichtungen dieser Art… leider. Was noch schlimmer ist: Viele, die drin gehören, laufen draussen frei rum. Über einen dieser “Freiläufer” würde gerade in den Artikel oben berichtet.
Du hast völlig recht, das ist ein Parade-Beispiel, fast die Definition eines Hardcore-Antirauchers. So ticken sie alle, so sind sie wirklich, wenn die letzte Maske fällt.
Ich hoffe auch von Herzen, dass diese kranke “Visionen” nie Realität werden. Und dabei merke ich schon einen schlimmen Unterschied: Nur vor 5-6 Jahren hätte ich gesagt “selbstverständlich wird er verlieren, wer ist schon so krank im Kopf um so was zu unterstützen? In diesem Stadtrat sind bestimmt viele vernünftige Leute, die werden herzlich darüber lachen!”
Heute sage ich: “klar ist das ein kleiner Hitler und psychisch krank, aber wie viele WHO-Verbündete und Gesundheitsfanatiker sitzen in diesem Stadtrat? Hoffentlich nicht die Mehrheit….”.
Zitat: “gehe auch davon aus, dass sich die bevölkerung das nicht bieten lässt und ihn zum teufel jagt..”
Leider sieht es, besonders im englischsprachigen Raum, nicht danach aus. Dort hat man es mehr mit totaler Überwachung und Nanny-Staat zu tun.
In Neuseeland wird gerade ein Gesetzesentwurf angekündigt, der Tabak komplett aus Neuseeland verbannen soll. Als Zeithorizont wird das Jahr 2025 genannt.
Siehe: http://www.n-tv.de/panorama/Neuseeland-plant-Tabak-Bann-article3819166.html
Nach 4 Jahren totalem Rauchverbot verlieren die sonst fuegsamen Briten so langsam auch die Geduld.
http://www.youtube.com/watch?v=O2MdvD4f5cg&feature=player_embedded
(Gelesen in: http://cfrankdavis.wordpress.com/2011/07/13/stop-pretending/ )
Was allerdings bei dem Video auffaellt, ist, dass die Antiraucher es geschafft haben, nur einen Kommentar zu hinterlassen.