Rauchverbot für Spielcasinos ausgesetzt

In den Spielbanken in Illinois darf wieder geraucht werden

Am vergangenen Dienstag hat die Regierung von Illinois dafür gestimmt, ein Rauchverbot in allen staatlichen Casinos aufzuheben. In einer Debatte wurden die Gesundheit der Spieler und Angestellten den finanziellen Einbußen in Millionenhöhe gegenübergestellt. Verbotsgegner und Vertreter der Antiraucherlobby kamen dabei zu Wort.

Eine statistische Auswertung hat 2010 ergeben, dass die Einnahmen aus den Casinos in der Umgebung von Chicago seit Einführung des Rauchverbots im Jahr 2008 um fast 33% zurückgegangen sind. In den umliegenden Bundesstaaten, in denen das Rauchen in der Spielbank erlaubt ist, gab es dagegen nur 4% Einbußen.

Der Abgeordnete Dan Burke, Initiator der Abstimmung, stellte infolgedessen fest, dass es bei der zu fällenden Entscheidung vor allem um das Geld geht. Das Rauchverbot hat dem Bundesstaat einen Verlust von 800 Millionen Dollar an Steuereinnahmen eingehandelt. Zudem mussten zahlreiche Angestellte entlassen werden. Das Verbot in den Casinos von Illinois auszusetzen würde die Spielsalons wieder mit denen der Nachbarstaaten gleichsetzen, in denen geraucht werden darf, so Burke. In seiner Legislaturperiode würde das Verbot allerdings wieder in Kraft treten, falls einer der angrenzenden Staaten ein Rauchverbot in den Casinos aussprechen würde.

Die Antiraucherlobby hielt dagegen, dass der Umsatz in Illinois in erster Linie durch die Neueröffnung von Casinos in den Nachbarstaaten zurückgegangen sei. Eine Ausnahmegenehmigung für Raucher in Casinos einzuführen, könnte zur Folge haben, dass auch andere Einrichtungen wie Rennbahnen, Bars und Restaurants wieder rauchen lassen wollen, fürchten die Verbotspolitiker. Selbstverständlich sei eine Raucherlaubnis in den Casinos auch ein gesundheitliches Risiko für die dort Angestellten. Durch die Behandlung der vielen Passivrauchopfer würden die Kosten im Gesundheitswesen “massiv ansteigen” und es gehe noch mehr Geld verloren.

Nach der Debatte gab es den eindeutig mehrheitlichen Beschluss, das Rauchverbot in den Casinos auszusetzen. Die Abstimmungsergebnisse werden nun beim Senat eingereicht. Das Verbot von 2008, das den Tabakgenuss in allen öffentlichen Innenräumen strikt untersagt hatte, wird aufgeweicht – ein entscheidender Stimmungswandel, der sich in Amerika zu vollziehen scheint.


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12 Kommentare

  1. UweM

    Ich würde das nicht als Stimmungswandel betrachten sondern einfach nur als Geldgeilheit. Das Gesetz wurde ja nicht geändert, weil man Rauchen oder Passivrauchen schlagartig nicht mehr als gesundheitsgefährdend betrachtet, sondern weil man die Steuergelder einsacken will.

    • Warum denn so ein garstiges Wort wie ‘Geldgeilheit’? Man könnte es auch haushaltspolitische Sorgfaltspflicht nennen. Dennoch würde ich natürlich auch nicht von einem grundsätzlichen Stimmungswandel ausgehen. Interessant dabei ist jedoch allemal dass man Umsatzverluste durch Rauchverbote gerne konsequent leugnet, betrifft es jedoch die eigenen Einnahmen, dann sieht man die Sache offenbar deutlich realistischer.

      • UweM

        Eine gewisse Flexibilität kann der Poltik sicher nicht absprechen, vor allem nicht wenn es um Geld geht.

      • Naja wir sollten hier Flexibilität nicht mit mangelnder Seriösität in einen Topf schmeißen. Die Umsatzverluste in der Gastronomie lassen sich nunmal ja nicht wegdiskutieren. Es ist durchaus legitim hier eine Reihe von Mutmaßungen anzustellen, wo den denn die Gründe dafür liegen. Wenn man allerdings seitens der Politik die Rauchverbote als Ursache kategorisch ausschließt und aber es um konkrete Fälle geht genau und einzig Maßnahmen gegen das Rauchverbot ergreift, selbiges also insgeheim als als die Ursache erkannt hat, dann hat man entweder das Volk belogen oder ist einfach nur knalledoof.
        Ein ähnliches Beispiel erleben wir übriegens derzeit in der Einschätzunge der Kernenergie, erstaunlicherweise ist das Volk hier nahezu geschlossen der Ansicht, dass man angelogen wurde.

      • UweM

        Das mit der Flexibilität war von mir scherzhaft gemeint. Ich bezweifle keine Sekunde, dass speziell Lokale, die massiv auf rauchende Kundschaft gesetzt haben, das Rauchverbot finanziell zu spüren bekommen. Davon betroffen sind wohl überwiegend das, was man so landläufig unter Eckkneipen versteht und wie ich schon schrieb, ist meine Privatmeinung, dass man dort die Entscheidung beim jeweiligen Wirt hätte lassen können / sollen

        Wo ich große Schwierigkeiten habe ist, vernünftige Informationen über ein Kneipensterben zu bekommen. Hier steht Aussage gegen Aussage und beide Blickweisen sind sicher ein Stück weit vom privaten Umfeld getrübt.
        In meinem Wohnort ist die Gastronomie überwiegend von Restaurants bestimmt. “Kneipe” kommt hier praktisch nicht vor. Wer abends noch was trinken möchte, geht ins Brauhaus, zum Italiener oder zum Inder und da hört man bislang von den Wirten keine Klagen. In anderen Gegenden mag das völlig anders aussehen.
        Kneipensterben hat es ja auch vor dem Rauchverbot gegeben. Der Bierkonsum in Deutschland geht Jahren konstant zurück.

        Was mich wundert ist, dass niemand bisher das ganze mal statistisch erfasst hat. Es sollte doch zu ermitteln sein, wie viele Lokale letztes Jahr geschlossen haben um zu beobachten, ob sich das in einer Weise von den Vorjahren abhebt, die sich nicht mehr mit gleichzeig stattfindenden Trends erklären lässt wie rückläufigem Bierkonsum oder gesunkenen Reallöhnen (die ihrerseits die Wirte auch zunehmend in Bedrängnis bringen).

        Die Kernenergie ist ein gutes Beispiel. Ich vermute dass das Volk hier anders reagiert, weil man von diesem “unheimlichen Zeug” eine andere Art von Angst hat. Zigarettenrauch kann man notfalls vermeiden, radioaktive Verseuchung macht vor der Haustür nicht halt, ja nicht mal vor Ländergrenzen. Das Gefühl dieser Ohnmacht lässt die Leute wohl sensibler reagieren. Für die meisten Menschen, auch in Bayern, ist das Rauchverbot einfach kein Thema mehr, ja nicht mal für viele Raucher.

        Für die Politik ist das alles sicher nicht einfach. Erwiesenermaßen kann man Wahlen verlieren, wenn man all zu ehrlich kundtut, was ökonomisch nicht zu vermeiden ist. Wahlen gewinnt man durch das Verkünden “blühender Landschaften”. Dass dies so ist, haben wir als Volk uns ein Stück weit selbst zuzuschreiben.

        Das Volk, welches hier gerade massiv gegen Kernenergie demonstriert, protestiert gleichzeitig gegen steigende Energiepreise, gegen Windkraft, sofern die Räder im eigenen Blickfeld stehen statt hinter dem Horizont, und gegen neue Strommasten.

      • Natürlich glaube ich nicht, dass das Kneipensterben monbokausal auf das Rauchverbot zurück zu führen ist. Allerdings scheinen mir Rauchverbote gewichtige Faktoren zu sein.
        Klar hats Kneipenschließungen zu jedem Zeitpunkt gegeben. Auffallend dabei ist jedoch, dass der mit Einführung der Rauchverbote diese Entwicklung eine enorme Dynamik entwickelt hat.
        Das wohl beste Beispiel in dieser Hinsicht dürfte England. Zum einen weil es -abgesehen von Bayern- kein derart rigoroses Verbot gibt und die Pub Kultur besonders ausgeprägt ist.
        Hier hat dsas Pubsterben mittlerweile Ausmaße angenommen, dass es schlichtweg von niemandem mehr ignoriert werden kann und auch nicht mehr wird. Die Problematik wird in mittlerweile in der kompletten Presse diskutiert.
        Auch wenn es hier sicher auch eine Melange auf Gründen gibt, so ist doch auffällig, der Beginn dieser Entwicklung auf der Zeitschiene ziemlich exakt mit der Einführung des Rauchverbots zusammen fällt.
        Man kann es drehen und wenden wie man will, in jedem Fall ist es absurd, wenn sich hierzulande Zeitgenossen der ewig jungen Phrase ‘ in England funktioniert es ja auch’ bedienen. Als Zyniker könnte man sogar noch zustimmen: In einer geschlossenen Kneipe wird tatsächlich nicht mehr geraucht.

  2. Blaudunst

    Eine wunderschöne Nachricht! Ich hoffe immer noch, dass die Amis endlich genug von der Prohibition haben und aufwachen!
    Viel Übel in diesem Sinne (besonders von der dortigen Gesundheitslobby) ist unglücklicherweise über den Teich rübergeschwappt. Es wäre Zeit, dass es endlich auch mal eine “Freiheitsbrise” rüberkommt!
    Was ich bei unseren Medien besonders ekelhaft finde: in Irland und sogar in Amerika können die Medien ehrlich berichten, dass es Umsatzeinbüßen wegen der Rauchverbote gibt.
    Warum können die Medien in Deutschland gar nicht ehrlich damit umgehen und erzählen uns weiter das Märchen “es funktioniert alles prima, keine Umsatzverluste und keine Pleiten”? Halten die uns wirklich für blöd?

    • Ich denke das wirklich problematische ist unsere Wahrnehmung. Wir neigen dazu die USA auf New York zu reduzieren, wo man ja faktisch von Prohibition sprechen kann. Allerdings übersehen wir oftmals dabei, dass es meines Wissens in rund einem Drittel der amerikanischen Bundesstaaten bislang gar kein Rauchverbot gibt. Daher tendiere ich dazu, dass die wahren Fanatiker in der EU sitzen und nicht jenseits des Teichs.

      • Blaudunst

        In der EU sitzen bestimmt nicht wenige Fanatiker und Gesundheitslobbyisten, und auch viele realitätsfremde Beamten, die dort von verschiedenen Parteien “weg befördert” waren, das ist richtig!
        Was Amerilka betrifft: Ich war vor 3 Jahren “um Denver rum”. Da hielt sich die Freiheit schon arg in Grenzen. Das einzig Gute: Man hat fast überall ein Raucherzimmer bekommen können.

        So was wie Kneipen- und Gaststätten-Kultur habe ich dort nicht gesehen.
        Man geht in so einem “Gebäude zum Essen”, wird zu einem freiem Tisch geführt (keine freie Auswahl) und bestellt. Schwierig, da die Riesenauswahl an Soßen uns sonstige Dinger, die einem schnell “runtergepredigt” wird, eher Verwirrung und Hilfslosigkeit erzeugt :-)
        Dann bekommt man recht flott, was man bestellt hat. Kaum ist man fertig mit dem Essen, wird man gefragt, ob es geschmeckt hat und ob man noch etwas möchte. Wenn nicht, dann kommt genau so schnell die Rechnung und danach wird erwartet, dass die Gäste das Gebäude wieder verlässen.

        Viele diese ” gehobene Kantinen” haben keine Alkohol -Lizenz, dürfen also kein Alkohol anbieten.
        Alkohol konnte man nur in spezielen Läden kaufen (wenige vorhanden) und man musste es in Papiertüten transportieren, damit man es “nicht sieht” (so würde uns erklärt).
        So waren mindestens meine Erfahrungen in den 3 Wochen, als ich da war.

        Rauchen konnte ich nirgendwo drinnen, ausser in Denver am Flughafen. Oben war eine Bar, wo man rauchen durfte und die war propervoll.
        Ich habe es sehr genossen, weil mir ein elendlanger “Nichtraucher-Flug” nach Hause bevorstand :(-

        In jedem Fall haben die Amis viel früher als die Europäer mit der Tabak-Prohibition angefangen und denen reicht auch nicht mehr das “second hand smoking”, die haben schon “third hand smoking” und “second hand drinking”.

        Ich gebe Dir aber recht, dass unsere Wahrnehmung nicht die beste ist. Wenn wir nicht rauchernews, Netzwerk-Rauchen und noch ein paar andere gute Seiten hätten, wäre die Wahrnehmung gar nicht vorhanden. Von unseren Medien bekommt man fast nur die Lügen der WHO & Co und das Märchen “es funktioniert alles bestens”, sonst nichts.

        Es stimmt auch, dass Amerika groß ist und die Gesetze von Ort zu Ort sehr unterschiedlich sind. Ich hoffe, ich war an dem falschen Ort :-)

  3. ub56

    Geil, die Behandlungskosten der vielen Passivrauchopfer. Sollen sie doch mit Mundschutz rumlaufen, wobei da gibts überall Klimaanlagen und Belüftungssysteme. Das ist so grotesk, mir fehlen die Worte. Die Amis sollten sich mal die EU als Beispiel nehmen. Die hat gerade per Eilverordnung die Strahlengrenzwerte für Lebensmittel auf mindestens das Doppelte erhöht, damit kein Lebensmittelengpass in Europa entsteht. Vom Atomwölkchen und Plutoniumnahrung kanns ruhig ein bißchen mehr sein, nur der Passivrauch macht krank und ist tödlich. Muhahahaha

    • G-H-L

      Tut mir Leid! Darüber kann ich nicht mehr lachen. Wegen des Passivrauchs das Rauchen in der Gastronomie verbieten und die Strahlenwerte für Lebensmittel aus Japan hochsetzen. Allein mit diesem Beschluß der EU sollte man noch einmal vor das BVerfG ziehen und die Rauchverbote noch einmal überprüfen lassen. Denn es kann nicht sein, daß Lebensmittel schädlicher sein dürfen als Tabakrauch. Noch dazu, weil ja der Tabak und die Zusatzstoffe dem Lebensmittelrecht unterliegen.

      • ub56

        als ich das in den Nachrichten hörte, konnte ich nur noch lachen sonst wär ich geplatzt. Jeder geht anders damit um. Die EU hat ja noch mehr abgesegnet. Pestizide z.B., die sich die Menschen jeden Tag aufs neue reinpfeiffen. Ich habs oft schon geschrieben, die Angst ist vorm Rauch den man sieht, bei allem anderen wird meist kaltlächend drüber weggesehen. Mir ist das langsam aber sicher zu blöd, jedem aufs neue zu erklären, daß er verarscht wird. Ich werde mich mal eine Zeitlang darauf beschränken die Leute auszulachen, wenn sie wieder mal in Panik verfallen.

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