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Schwabings Kult-Kneipen durch Rauchverbot in Gefahr

Dienstag, 22. Juni 2010, 23:29

Auch die legendäre "Schwabinger 7" könnte ein Opfer des totalen Rauchverbots werden

Der legendären alten Kneipenkultur im Künstlerviertel München-Schwabing droht mit dem absoluten Rauchverbot der Untergang, allem voran der Livemusik-Szene. Schwabinger Wirte wehren sich dagegen in einem gemeinsamen Aufruf.

Viele Schwabinger Wirte unterstützen den Kampf gegen das totale Rauchverbot in Bayerns Gastronomie und rufen mit der Initiative “Schwabing sagt Nein” dazu auf, beim Volksentscheid am 4. Juli mit “Nein” zu stimmen. Ein rigides Gesetz wie das von der ÖDP gewünschte wäre vernichtend für Schwabings berühmte Vielfalt und würde jahre- bis jahrzehntelang erfolgreich betriebene Lokale direkt in den Ruin führen.

Besonders betroffen wäre die Livemusik-Szene, die einst erheblich zu Schwabings Ruf als Künstlerviertel beigetragen hat. “Ein tägliches Livemusik-Programm wird ohnehin nur noch im Schwabinger Podium und im Alfonso’s geboten“, sagt die Rock-Pianistin Renate Dienersberger, seit über zwanzig Jahren Teil der Szene und bestens mit ihr vertraut. “Wenn die zum Rauchverbot gezwungen werden, ist es ganz aus damit, und auch die Musiker verlieren dort ihre Jobs.”

Renate Vogel, Inhaberin des Schwabinger Podiums, bestätigt: “Die meisten unserer Gäste sind nun einmal Raucher. Wenn wir diejenigen, die dann überhaupt noch kommen, zum Rauchen rausjagen müssen, bringt der Betrieb draußen vor der Tür die Nachbarn auf die Palme.” – “Und wie schnell Anwohnerbeschwerden zur Schließung eines Live-Clubs führen können, hat die Vergangenheit oft genug gezeigt”, ergänzt Evi Hentschel-Meister, Geschäftsführerin des Alfonso’s und Sprecherin der Schwabinger Wirte.

Aber auch Lokale, die keine oder nur gelegentlich Livemusik anbieten, bangen um ihre Existenz. “Wenn der Super-GAU eines totalen Rauchverbots eintritt, kann ich meinen Laden dichtmachen”, sagt etwa Hans Karp, seit 40 Jahren Wirt der beliebten Künstlerkneipe Rheinpfalz. “Unsere Gewinnspanne ist kleiner als man denkt, und wenn nur ein Fünftel unserer Gäste wegbleibt, ist Feierabend.” Dass dieser Gästeschwund eintreten wird, daran hegen die Wirte keinen Zweifel. Schließlich mussten sie bereits 2008, mit Einführung des ersten Rauchverbots in Bayern, massive Umsatzeinbußen hinnehmen und konnten sich nur mit der Einrichtung eines Raucherclubs über Wasser halten. Seit auch die Raucherclubs letzten August per Gesetz verboten wurden, können diese getränkegeprägten Kneipen jetzt nur noch überleben, weil ihre Gastfläche kleiner als 75 Quadratmeter ist und sie deshalb das Rauchen erlauben dürfen. Damit soll nach dem Willen der ÖDP jetzt auch Schluss sein.

Mit Plakaten und mit ihrer Präsenz auf der Internetseite schwabing-sagt-nein.de, unterstützt von der Privatinitiative NEIN beim Volksentscheid, rufen die Schwabinger Wirte ihre Gäste “und alle, denen etwas am Erhalt des alten Schwabinger Flairs liegt” dazu auf, beim Volksentscheid die unnötige Gesetzesverschärfung mit einem klaren “Nein” abzulehnen. “Wir hoffen sehr, dass genügend Leute dies auch tun”, so Dienersberger, “denn andernfalls wird Schwabing zu Tode geschützt. Und wenn Herr Frankenberger von der ÖDP dann etwa die Schwabinger 7 rauchfrei besuchen will, wie er im Chat bei der Süddeutschen hat verlauten lassen, wird er sich beeilen müssen, um sein Zerstörungswerk überhaupt noch bewundern zu können. Dabei gibt es schon so viele rauchfreie Kneipen in Schwabing – warum will er eigentlich nicht lieber dorthin?”

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5 Kommentare

  1. Bernhard

    Mit “Fleiß und Geschäftssinn” hat das leider nicht viel zu tun:

    Wenn Du nachts um 2:00 Uhr 50 Leute vor der Tür hast, die sich noch so leise verhalten, dann ergibt das eine Geräuschkulisse, bei der Deine Nachbarn die Polizei rufen.
    Häufen sich die Anzeigen, bist Du Deine Konzession los.

    “da ist ja auch schon Rauchverbot!”

    Da gibt es aber keine Blockwarte und Denunzianten…

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  2. Servaxx

    @ Stephanie: Also einerseits leben sehr viele türkischstämmige Mitbürger hier schon in der 2. Generation, sind also stimmberechtigte Bundesbürger und andererseits können die anderen die unsäglichen Zustände in Bayern ja ohne weiteres hinter sich lassen und in das gelobte Land Türkei flüchten…. aber… ups… da ist ja auch schon Rauchverbot!


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  3. Servaxx

    Also mir muß jetzt mal einer was erklären: Laut Angaben des KVR, deren Zahlen von den Verbotsgegnern ja gebetsmühlenartig bemüht worden sind, sind ja 89 % der Gastronomie rauchfrei. Somit gibt es nur noch 11% Raucherlokale. Geht man davon aus, daß mit Fleiß und Geschäftssinn 2/3 dieser Kneipen trotz Rauchverbot überleben werden, so muß man das Sterben von ca. 3% der Gastrobetriebe wegen des Rauchverots befürchten. Da die natürliche Fluktuation der Gastrobetriebe im langjährigen Mittel erwiesenermaßen bei über 20% liegt, bewegt sich das ja nahezu in der üblichen Schwankungsbreite. Es gibt also 2 Möglichkeiten: 1. Das mit dem Kneipensterben wird gar nicht so wild. 2. Es gibt doch noch viel mehr Rauchelokale, d. h. die Zahlen des KVR waren nicht korrekt, also haben auch die Rauchverbotsgegner (wissentlich????) mit unkorrekten Zahlen gearbeitet und somit GELOGEN!!!!!


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  4. Stephanie Walser

    Was passiert denn dann mit diesen türkischen Kulturkneipen in denen so viel gequalmt wird, dass man nicht von draussen reinschauen kann. Diese Leute können sich doch gar nicht wehren, da die meisten nicht wählen dürfen, weil sie keine deutschen Staatsbürger sind. Das sollte man vielleicht mal den Grünen erzählen.

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  5. Romana König

    Nicht nur in Schwabing ! Alle kleinen Kneipen (sind nur noch 695 statt vor drei Jahren 1.300) sind gefährdet!

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