Steuer zu hoch: Raucher greifen zu billigeren Zigaretten

Ein Wagen voll beschlagnahmter "Jin Ling"-Zigaretten

Am heutigen Mittwoch teilte das statistische Bundesamt mit, dass der Staat im ersten Quartal sechs Prozent weniger Tabaksteuern eingenommen hat. Besonders bei den hoch versteuerten Zigaretten brach der Verkauf  um 9 Prozent ein. Deutschland gehört neben Irland, England und Frankreich zu den EU-Ländern mit den höchsten Steuersätzen auf Zigaretten. Nun scheinen die Verbraucher dem Fiskus die Rote Karte zu zeigen, in dem sie auf Feinschnitt (der Absatz stieg um knapp 8 Prozent) , Schmuggelware oder ausländische Zigaretten ausweichen.

Die Steuereinnahmen sanken im Vergleich zur letzten Erhebung um 3,13 Milliarden Euro, das sind 6 Prozent. Den gestiegenen Verkauf von Feinschnitt führen die Statistiker darauf zurück, dass die Menschen statt der immer teuer werden Zigaretten vermehrt zu den Selbstgedrehten greifen. Aber auch die steuerlich begünstigteren Zigarillos verkauften sich um 31,1 Prozent mehr.

Nach einer Studie des Hamburgische WeltWirtschaftsinstitutes (HWWI) ist jede fünfte Zigarette, die in Deutschland geraucht wird, nicht in Deutschland versteuert. Dadurch entgehen dem deutschen Staat, dem Handel und der Industrie 5,2 Milliarde Euro, davon entfallen 4 Milliarden Euro auf Steuern.. Die meisten Zigaretten werden nach der Studie mit 7,3 Milliarden Stück legal in Polen gekauft, gefolgt von 3,8 Milliarden in Tschechien. Die meisten Schmuggelzigaretten kommen aus der Ukraine (3,2 Milliarden) und Russland (2,4 Milliarden). Den größten Anteil hat die in beiden Ländern illegal produzierte Marke “Jin Ling” (siehe Bild), die es nirgendwo legal zu kaufen gibt.

HWWI-Studienleiter Professor Michael Bräuninger sagte, für das organisierte Verbrechen seien durch die überhöhten Zigarettensteuern Gewinne zu erzielen, die mit den Gewinnen bei illegalen Drogen, wie etwa Rauchgiften, zu Buche stehen. “Je höher die soziale Akzeptanz von illegalen Zigaretten ist, desto größer ist auch die Nachfrage nach Schmuggelware”, so Bräuninger. Und je teurer die Zigaretten in Deutschland werden, desto mehr sinkt die Hemmschwelle der Menschen, zu illegalen Waren zu greifen.

Mit diesen Zahlen wird auch die Mär der Tabakkontrolle, dass höhere Steuern auf Zigaretten dafür sorgen würden, dass weniger geraucht wird, ad absurdum geführt. Die Menschen rauchen nicht weniger, sie suchen sich nur billigere Produkte, bis hin zu Schmuggelware.

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6 Kommentare

  1. Werner R. Niedermeier

    @Claudia, kommt darauf an, wo du wohnst. Ich fahre gerne nach Furth im Wald, das liegt ideal für mich und man bekommt alles was man will. Man sollte allerdings einige Kilometer in Tschechien ins Landesinnere fahren, denn an der Grenze hat Tschechien einen höheren Mehrweststeuersatz.

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  2. Claudia

    Gute Idee das mit Tschechien. Wo fahrt ihr da immer hin? Bzw. wo kann man am besten einkaufen?

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  3. Werner R. Niedermeier

    Ich kaufe mir schon seit langem die Zigaretten in Tschechien. Pro Person kann man 4 Stangen mitnehmen, da ich mit meiner Frau fahre sind das jedes Mal 8 Stangen. Die Stange mit 200 Stück kostet 23 oder 24 Euro und abgesehen davon dass es die Marke die ich rauche in Deutschland nicht gibt, würde man hier für vergleichbare Zigaretten das doppelte bezahlen.

    Wenn wir dann schon in Tschechien sind besuchen wir auch noch die Supermärkte, die dort Sonntags geöffnet haben und laden unser Auto voll mit den normalen Lebensmitteln und Dingen die man so braucht, manchmal kommt auch ein Friseurbesuch dazu. Selbstverständlich wird auch das Auto voll getankt. Es gehen also durch die unverschämt hohe Tabaksteuer dem deutschen Staat noch viel mehr Steuereinnahmen verloren, als nur die von Zigaretten. Und wenn man sieht, welche Massen an Deutschen da am Wochenende einkaufen, dürften die entgangenen Steuereinnahmen insgesamt weitaus höher sein als die im Artikel erwähnten 4 Milliarden Euro.

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  4. Es ist kein Wunder, daß Raucher/innen bei den hohen Zigarettenpreisen auf Feinschnitt oder Schmuggelware ausweichen. Wenn ein Geringverdiener oder sozialschwacher Mitbürger/in eine Schachtel Zigaretten am Tag raucht und dafür 5,– € (10,– DM) ausgeben muß, macht das im Monat 150,– € (300,– DM). Dazu kommt noch der hohe Spritpreis. Somit treibt man einkommensschwache Bevölkerungsgruppen direkt in noch größere Armut (ausser sie geben das Rauchen und Autofahren auf), als ohnehin schon.

    Die Leute (nicht nur ärmere Bevölkerungsteile) sind erfinderisch und entziehen sich zum Teil der Steuerpolitik des Staates. Dieser kann sich wiederum viele Milliarden Tabaksteuern (auch Mineralölsteuern) abschminken. Das Minus muß anderweitig über höhere Steuern wieder hereinkommen, und somit müssen auch die Nichtraucher bluten. Gewinner dieser selbst
    verschuldeten Hochsteuerpolitik sind Schmuggler und osteuropäische Länder und Andere mehr.

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